Ein Storchenjunges fiel aus dem Nest - und überlebte. Von Menschen aufgezogen lernte es sogar zu fliegen. Zu spät aber, um im herannahenden Winter mit Seinesgleichen gen Süden zu ziehen. Wenn Storche dies im ersten Winter nicht tun, verlieren sie ihren Zuginstinkt. So blieb er den Winter über in Orth und wurde von den Menschen gefüttert. Im Frühjahr kamen die die Störche aus dem Süden zurück - und vertrieben unseren Storch aus seinem Nest.
Also lebte er den Sommer über woanders und kehrte erst im Winter in seinen Horst zurück. Nach einiger Zeit war es ihm allein zu langweilig und - so unglaublich es klingt - er begann, den in seinem Horst brütenden Zugstorchen bei der Aufzucht der Jungen zu helfen. Dabei muss es dann passiert sein. Er verliebte sich in die junge Mutter und vertrieb den Vater. Er gewann das Herz der schönen Störchin und gemeinsam zogen sie die Jungen groß.
Der Winter kam - und die Jungen zogen mit ihrer Mutter gen Süden. Unser Storch hingegen blieb allein zurück...Aber er vergass sie nicht...Sobald sich der Frühling näherte klapperte er jedem größeren Vogel hinterher - mit Ungeduld wartete er auf seine Sommerliebe.
Und sie kam zurück...zurück zu unserem Storch in den bereits sorgsam herausgeputzten Horst. Und zum ersten Mal wurde unser Storch selber Vater. Was würde nun im Winter passieren?
Nein - er flog nicht mit seiner Familie in den Süden. Wieder blieb er im Orther Schloss. Und diesmal wartete er nicht auf seinen Schatz... Denn das musste er nicht - sie blieb bei ihm... Und seit dem leben die beiden zusammen in ihrem Horst - das ganze Jahr über!