Überall im gesamten Komplex sieht man die unaufdinglichen Leuchten im Design der Siebziger Jahre. Wenn es dunkel ist, sieht man sogar, dass einige noch funktionieren. Und durch den Taubendreck durchkommen.
Vielfach finden sich die Leuchten in Gruppen zu drei oder vier Leuchtkugeln angeordnet. Man beachte den Draht, der Tauben die kleinen Krällchen aufschlitzen soll.
Zu den ansprechenden Leuchten gesellt sich die unaufdringliche Farben- und Formensprache der 70er Jahre. Hoffentlich halten die Betonpfeiler.
Nicht nur gerade Linien, auch kecke Rundungen wurden aus Beton gegossen. Der runde Bereich war für einige Jahre ein Restaurant, das dann aber auch irgendwann schloss.
Diese Kacheln in typischen Farben der 70er-Jahre sollen den Weg zur Tiefgarage weisen.
Hier geht es zum Parkdeck Eins. Wer grün nicht lesen kann, kriegt es auch in rot. Und umgekehrt. Aber hässlich in jedem Fall.
Eine spätere Hinzufügung ist die moderne Ausschilderung nach Art eines Straßenschildes. Das Verkehrszeichen ist aber aus den 70er Jahren erhalten geblieben ist.
Und ein Licht leuchtet in der Finsternis und zeigt, wo es abwärts geht.
Zum Aufzug geht man in diese stille Nische. Wer würde da nicht gern reingehen. Vor allem in der Nacht.
Der Pfeil zeigt auf eine Tür, die immer ständig geschlossen war und wohl zu einem Betriebsraum führt. Der Eingang zum Aufzug liegt gegenüber dem Leuchtschild. Ob das wohl schon verwirrt hat?
Wer sich im Betonlabyrinth nicht zurecht findet, der findet hier Hilfe. Einfach auf den Knopf drücken und auf der Karte gucken, wo es blinkt. Die meisten Geschäfte existieren schon seit 20 Jahren nicht mehr.
Auf dem Bild leider nicht gut sichtbar: Die Beschriftung ist in freundlicher Normschrift gehalten, als hätte man eine technische Zeichnung vor sich. Das schafft heimatliche Gefühle.
Eine Mülltonne im Design der 70er Jahre. Die meisten Mülltonnen sind inzwischen durch modernere Modelle ersetzt, die aber ebenfalls eher hässlich in Form und Farbe sind.
Für Belüftung ist gesorgt, formschöne Objekte führen die Luft in das Innere der Gebäudekomplexe.
Die klare Formsprache in Verbindung mit kalter Monströsität schafft ein unvergessliches Erlebnis. Man nennt es Trauma.
Besonders reizvoll sind die abgeklebten Fenster niemals mehr geöffneter Geschäfte zusammen mit dem unübersehbaren Zerfall. Die Farben sind teilweise noch original, die Tür war aber ursprünglich grün.
Immer wieder ruhen gewaltige Massen Beton unter filigran wirkenden Betonpfeilern, unter denen man gern durchgeht. Vor allem, wenn man den unübersehbaren Zerfall sieht.
Damit man auch weiß, wo man ist, gibt es diese praktischen Schilder an den recht uniformen Hauseingängen. Das Design dieses Schildes entspricht noch dem "Auslieferungszustand".
Später wurden überall in dem nischenreichen Gebäude Kameras installiert, da das Ihme-Zentrum nur über relativ dunkle Treppen zu erreichen ist, die vielen Menschen bei Dunkelheit Angst machten.
Wer auf diesen Komplex zugeht, weiß genau, dass er sich seinem Zuhause nähert. Die Schornsteine im Hintergrund stammen vom Heizkraftwerk Hannover-Linden.
Auch an Entspannung ist gedacht. Diese Bank steht direkt vor einem Gitter, das daran hinern soll, in die Ihme (Nebenfluss der Leine) zu fallen. Wer würde sich da nicht gern hinsetzen?
Natürlich gestalten sich die Menschen ihre Wohnungen so hübsch, wie es geht. Die unmenschliche Monstrosität des Komplexes wird durch die blühenden Betonkästen eher noch bedrückender.
Treppe mit Fahrrad, ein Bild jener Tristesse, die sich im Ihme-Zentrum an allen Ecken findet.
Die Farben sind nicht mehr original. Ursprünglich war die Tür weinrot und die Mauer betongrau. Aber die Wirkung des Arrangements ist trotz der Farbtupfer geblieben.
Man kann natürlich seine Augen trösten, indem man einen Blick auf die Ihme wirft. Aber der Trost will ausbleiben, der kleine Fluss ist beschädigt und kann nicht gerettet werden.
Das Grünzeug am Ufer arbeitet sich auch ein bisschen in die Bausubstanz ein, aber das hindert nicht daran, dass man das Ihme-Zentrum noch einmal aufmöbelt.
Die Farben sind in dieser Ecke nicht mehr original, aber die Architektur entspricht den Intentionen des Bauherrn.
Hier noch eine Treppe, die in das Gebäude führt. Das Ihmezentrum ist wie eine Burg, nur über Treppen und Brücken zu erreichen. Das es ein Fremdkörper in Linden ist, das ist Konzept.
Es gibt auch "richtige" Treppen, die viel lieber angenommen wurden und werden.
Wenn man hochgeht, stößt man auf eine gelungene, heimelige Architektur voller kleiner optischer Stolpersteine.
Es ist natürlich auch an so etwas wie öffentliche Balkone gedacht worden, von denen aus man das Werk des Architekten besser würdigen kann. Der Bewuchs des Bodens zeigt die Beliebtheit.
Zusammen mit dem Wildwuchs entstehen reizvolle Arrangements aus klaren Formen und blühender Natur.
Die meisten Teile sind jedoch ohne tröstliches Grün und wirken grau und kahl, selbst wo typische Farben der 70er Jahre Verwendung fanden.
Wer möchte nicht durch solche dunklen Gänge gehen, wenn er irgendwo hin will?
Die Pflanzkübel aus Beton sind teilweise von niemals gepflanzten Pflanzen erobert worden.
Ein hübsches Nebeneinader einer 70er-Jahre-Leuchte mit einem anderen Leuchter, der wohl etwas mehr Gemütlichkeit menscheln soll.
In diesem entkernten Geschäft gab es einmal Zeitschriften und eine Lottoannahme. Aber nicht besonders lange.
Überall sieht man, wo welche Nummer im Immergleich zu finden sein soll.
Auch an Kunst wurde gedacht...
Ein Hinweisschild, wie es sonst nur bei Denkmälern in Hannover zu finden ist.
Später wurden auch ein paar "normale" Straßenschilder angebracht, um die Orientierung in der "Burg" zu erleichern.
Im Inneren der "Burg" finden sich reizvolle Strukturen und Fassaden ohne Fenster. Geschäfte gibt es hier schon lange nicht mehr. Hier hat beinahe jeder pleite gemacht.
Ein Aufzug in die Tiefgarage. Man beachte die Kachelung um die Treppe, die ebenfalls in die Garage führt. Das ist reinste Ästhetik der 70er Jahre, einfach des Denkmalschutzes würdig.
Zusammen mit den nachträglich angebrachten Stahlstrben wirkt das Ganze noch ein bisschen monströser. Man beachte die einladende Bank, die zum Verweilen reizen soll.
Hier noch einmal der Aufzug in seiner Gesamtwirkung. Ein Mahnmal, wie man niemals bauen sollte.
Diese Sitzgelegenheit gehört nicht zum Auslieferungszustand, sie stammt aus den 80er Jahren. Der Baum schafft es aber nicht, dieses Arragement hübscher zu machen.
Auch in der "Burg" gibt es allerhand Treppen, die in höhere Ebenen des Komplexes führen. Ursprünglich waren dies geländerlose Wendeltreppen, die sind aber alle durch andere Modelle ersetzt worden.
Allgegenwärtig ist die Farben- und Formensprache der 70er Jahre.
Was für ein passendes Bild! Die entkernte Zukunft, in der sich monströse Strukturen spiegeln. Nichts kann das Ihmezentrum passender beschreiben als dieses eine Bild.
Experimentelle Geschichtsforschung
Immer noch wohnen Menschen hinter den Fenstern
Um die Monstrosität deutlich zu machen, muss man sich von den unmenschlichen Details lösen, die allgegenwärtig sind.
Kleine Backstube
Ein dunkler Gang in einer großen Burg
Neckische Nischen mit krüppligen Bäumen finden sich in vielen Ecken
Klare Formen machen klar: Der Aufzug geht rauf und runter. Die Farben sind original 70er Jahre.
Auch die Bauten haben klare Formen und hässliche Farben, der Zerfall adelt das Machwerk eher.
Detail von einer Tür, die zu einem seit zwanzig Jahren leer stehenden Geschft gehört.
Die Tauben werden durch mechanische Mittel bekämpft.
Wer hier lebt, der will auch weg! Da ist es doch eigentlich sehr schade, dass dieses Reisebüro geschlossen ist und niemals wieder eröffnet wird.
Ein Gang im Inneren der "Burg".
Da muss man aufblicken: Der Stromversorger von Hannover in monströsen Bauten.
Blech, gefärbt in den Modefarben der 70er Jahre. Hier ein brauner Abschnitt, der wohl dekorativ sein sollte.
Eine freundliche, fensterlose Front. Dieses Gebäude ist übrigens der Favorit bei Selbstmördern, im Sommer sind es ungefähr zwei Freitode in der Woche. Ist das ein Wunder.
Eine weitere freche Nische, mit der die tolle Architektur aufgelockert werden sollte.
Man kann das Ihme-Zentrum natürlich über Treppen verlassen. Aber es gibt auch noch eine andere Möglichkeit.
Eine weitere Möglichkeit, das Ihme-Zentrum zu verlassen, ist die Brücke über die Straße. Diese schafft erst den richtigen "Burg"-Eindruck. Fehlt eigentlich nur noch die Zugvorrichtung.
Von der Brücke aus kann man das Gesamtwerk in seiner Plumpheit und seinem Größenwahn erst so richtig würdigen. So muss sich der Architekt sein Elaborat vorgestellt haben.
Wer möchte in dieser Gaststätte nicht Einkehr halten? Sie sieht freundlich und einladend aus.
Auf der Brücke ist auch an eine formschöne Möglichkeit gedacht worden, sich bei Regen unterzustellen. Man beachte die Treppe, mit der sich dieses Konstrukt verbindet.
Sehr beliebt ist dieser Regenschutz auch bei Tauben, die gern Rast darauf machen.
Unter dem Regenschutz ist auch für Beleuchtung gesorgt.
Wer möchte solche Häuser nicht sein Zuhause nennen?
Noch eine Geamtsicht von der Brücke aus. Es wird gerade umgebaut. Was die daraus mit viel Stahl und Glas machen, hat schon einen Namen. Es soll "Linden-Park" heißen. Ich will kotzen.