9:00 Uhr morgens in finnisch Lappland: Eine Kurzeinführung in die hohe Kunst des Schlittenfahrens, bevor die Hunde rausgelassen werden: "Wenn ich euch zu viel erzähle geht's in einem Ohr rein und im anderen wieder raus..." Der sprichwörtliche Sprung ins kalte Wasser!
Dann kamen die Hunde. Der einzige, der hier den Überblick behält ist der Guide: "Das ist dein Hund, der ist dir..."
Ja, und so sieht es aus, wenn man vom Sonnenaufgang in den Sonnenuntergang fährt. Dazwischen gab's nichts.
Jedem werden vier bis fünf Hunde zugewiesen - abhängig vom Körpergewicht und Gepäck. Hier darf man also nicht schwindeln, sonst läuft der Hundeführer zum Schluss mehr als die Hunde, weil denen die Puste ausgeht ;) Jeder Hund hat seine Stärken und Schwächen: Der eine zieht wie doof, ist dafür aber auch weniger hell. Der andere ist etwas kleiner aber aufgeweckt und hat den Weg immer im Blick.
Ziel einer jeden Tour waren abgelegene Hüttensiedlungen: Wohnhütte, Schlafhütte, Saunahütte, Klohütte. Strom und fließend Wasser gab es nie. Also musste zuerst Holz gehackt und Eislöcher gebohrt werden...
Sonnenauf- oder Untergang? So ganz sicher waren wir uns auch nicht immer.
Wen haben wir hier? Eindeutig Geschwister. Aber nicht jeder Husky sah auch tatsächlich aus wie ein Bilderbuch-Husky. Manche glichen mehr ausgemachten Promenadenmischungen, was daran liegt, das diese Hunde nicht auf Aussehen, sondern Ausdauer, Robustheit und Gemüt hin gezüchtet werden.
Definitiv Sonnenuntergang... oder doch noch Sonnenaufgang?
Urig ging es immer zu. An einem Rentierfell im Rücken haben wir uns nie gestört. Im Gegenteil, wir haben später noch welche mit heim genommen. Rentiere leben halbwild im hohen Norden. Das Fleisch wird verwertet, Knochen... und eben auch das Fell. Also, liebe Städter, macht euch keine Gedanken.
Nach sechs Stunden an frischer Luft weiß man erst wieder einen richtigen Holzofen zu schätzen...
Kein Eisloch in der Nähe? Dann tut es auch Schnee. Vorteil: Man muss nicht so weit laufen. Nachteile: Lieber etwas weiter laufen, weil der Schnee um die Hütten herum... naja.
Ein Topf voll Wasser soll es werden. Tannennadeln im Tee? Das kam auch vor, ja.
So, da haben wir eine dieser Promenadenmischungen, von den ich vorhin gesprochen habe. Gestatten, Jeff, der Huskydackel - stolze 10 Jahre alt.
Und hier bin ich. Rechts von mir Nevada, mein Liebling im Team und auch Laufoma: 11 Jahre!! Hunde dürfen im Gespann solange mitlaufen, wie es ihnen Spaß macht. Links von mir Granit. Hier war der Name Programm. Ziehen, ziehen, ziehen. Aber ein ganz schüchterner. Nur langsam und von unten nähern. Ein Ohr fehlt übrigens. Das ist der Tribut des Sommers, wenn sich die Tiere langweilen und vor Energie strotzen.
Meine beiden Leithunde. Der wilde braune linkerhand ist Nome, wie die Stadt in Nordkanada (oder war es Alaska?). "Keine Angst, ich beiße nie. Ich will nur endlich wieder weeeeeiter!" Rechterhand mein Jungspund im Team: Ellie, drei Jahre und sehr verkuschelt. Wenn ich mich niedergekniet habe, versuchte sie immer unter meine Arme oder besser noch unter meine Beine wie in eine Höhle zu schlüpfen.
Bei der Ankunft in den Hütten wurden die Hunde zunächst angeleint. Die Leine wird dabei in den Wald gelegt. Jeder Hund hat seinen Raum, gräbt sich ein Loch in den Schnee und rollt sich dort ein.
So sieht es aus, wenn man ein Eisloch bohrt: Einer schwitzt, der andere schaut zu.
Minus 10°, aber da wird die Jacke doch zu warm.
Wasser!
Matthias 09.01.2008 08:09:02 Löschen Es ist nicht so schlimm, wie es aussieht. Wir haben eine ungewöhnlich warme Periode erwischt mit tagsüber nur -5° C. Die oberste Schneeschicht schmolz in der Sonne, gefrohr wenig später wieder zu Eis. Dort liefen sich die Hunde Blasen. Um die Pfoten zu schonen, bekamen sie Handschuhe, so genannte Booties, angezogen.
Ne ne, so macht das keinen großen Spaß. Wenn es doch nur wieder -20° würde.
Wie war das? Hund und Mensch gleichen sich immer mehr an? Ja, irgendwie schon. Man riecht wie ein Hund, überall im Gesicht sprießen die Stoppel. Den Hunden ist das nur Recht. "Du bist einer von uns!"
Da weit wie hier war der Pfad nur selten. Genau deshalb existieren von den Pisten auch keine Fotos ;)
Noch mal Jeff. Der Oldie hat sich eingerollt und ruht von 60 Kilometern laufen, laufen, laufen.
"Sind alle da?" Erste Regel beim Hundeschlittenfahren: Du bist für deine Hunde verantwortlich. Zweite Regel: Du bist für deinen Hintermann verantwortlich. Regelmäßiges Umschauen bewahrt vor Verlusten im Team.
Zurück im Hundecamp. Ich bin wenig später in den Zwinger gestiegen. Es war wirklich ein Spaß!
Leuchtend rote Wolken über dem Hundecamp. 500 Hunde leben hier. Vom "Kindergarten" bis zum "Altersheim" ist alles vertreten.
Ein Besuch im Zwinger Kindergarten: "Rentierfell... Hund, Rentierfell... oder doch lieber den Hund?"
"Ich werde mal ein ganz großer Langstreckenläufer!"