Von hoch oben blickt unser Haus an der Birke vorbei über den Möllner Kurpark zur Altstadt hinüber.
Wer uns besuchen möchte, muss eine Treppe mit mindestens eintausend Stufen hinaufsteigen-, eine Rolltreppe führt nicht ins Paradies!
Durch eine alte Eichentür geht es in den Garten. Beim Verschnaufen auf einer kleinen Plattform vor einer weiteren Treppe nach links schweift der Blick über einen Rasenweg, den "Gallica-Pfad", an dem im Sommer viele Gallica-Rosen blühen, weiter nach Westen...
...zu einer riesigen Eiche. Am gewaltigsten sieht sie aus, wenn sie im späten Herbst ihre Blätter abgeworfen hat und die Abendsonne hinter ihren dunklen Zweigen den Himmel rot färbt.
Endlich oben angekommen, geht es zur Haustür. Erst ein Stückchen des Gartens im Osten ist zu sehen. Denn dieser Gartenraum will erst später entdeckt werden.
Vor der Haustür lädt ein gemütliches Plätzchen zum Verweilen ein. An der Birke mit ihrer hell und dunkel schattierten Rinde schweift der Blick in die Ferne bis zur Möllner Altstadt oder , ganz in der Nähe, zu einem Baumläufer, der am Stamm emporklettert. Oben am Stamm piepsen die Blaumeisenkinder. Sie wollen gefüttert werden!
Nun endlich geht es um die Hausecke! Unser Großväterchen Apfelbaum mit seinem stolzen Alter von fast hundert Jahren hat sich schon sehr geneigt, erfreut uns aber Jahr für Jahr mit einem Blütenmeer im Frühling und im Herbst mit leuchtenden und wohlschmeckenden Äpfeln. Seinen Namen kennen wir nicht!
Eine Gruppe von Crocus 'Remenbrance' schaut zur Frühlingssonne empor.
Das Osterhuhn lief im Garten umher..., nun ist es für eine kurze Zeit zwischen Haselzweigen eingesperrt. Ob es uns wohl ein Osterei legt?
Hortensien-,Blütenträume von einer Reise in die Bretagne. ..In zarten Farben umrahmen sie im Sommer diesen Sitzplatz am Hang, der "Mont" getauft wurde.
Im Ostgarten blüht es üppig! Fast jeden Tag ändert der Garten hier sein Gesicht in wechselnden Farbkompositionen.
Eine Hemerocallisblüte lehnt sich ein Weilchen an den Blütenzweig einer Spiere,
eine andere neigt sich lieber dem Phlox zu.
Und wenn die Fliederhecke, die fast den gesamten Garten umschliesst, blüht, weht der süße Duft weit in die Umgebung.
Zum weißen Flieder gesellen sich die leuchtenden Blüten der Hemerocallis 'Stella d'Oro'. Auch sie stimmen in den Duft, der den Garten erfüllt ,ein.
Der Goldregen hat schon den Hausbau vor über fünfzig Jahren miterlebt. Er möchte immer die zarten Farben des Flieders übertönen und blüht von Jahr zu Jahr üppiger!
"Vielleicht bin ich viel lieblicher", denkt der "Paradiesapfel" und zieht sich sein leuchtendes Frühlingskleid an. Der Osterschneeball davor hat kurze Zeit vorher den Garten mit seinem Duft erfüllt. Wenn es geregnet hatte, glitzerten seine Blüten wie mit Diamanten geschmückt. Nun wartet er auf den blauen Teppich des 'Geranium magnificum' unter ihm.
Am gestützten Stamm des Großväterchens erscheint das Sommerhäuschen. Es ist geschmückt mit einer Clematis montana in zartem Rosa. Der Wiesenknöterich reckt sich stolz in die Höhe. Auch er mit rosa Blüten, die allmählich ganz "puschelig" werden.
Ein Blick aus dem Fenster des Sommerhauses nach Osten im Frühjahr: Jetzt recken sich die Iris siberica-Blüten in Blautönen, erzählen mit den hellblauen Vergissmeinnicht, die sich überall angesiedelt haben. Der Goldlack wetteifert mit dem Geum in warmen Farben .
So sieht es hier im Oktober aus. Die Rosendame 'Gertrude Jekyll' fühlte sich eines Tages zu 'Professor A. Kippenberg' hingezogen!
Um die Ecke des Sommerhäuschens geht es nun weiter in den Südgarten.Ein Salomonsiegel, Polygonatum, hält hier am Weg, der durch eine überdachte Terrasse und weiter wieder durch ein Tor in den von Flieder und Falschem Jasmin, Philadelphus, umschlossenen "Hortus conclusus" führt , ausdauernd Wache. Nur liebe Gäste dürfen hinein!
Als Einstimmung auf das, was sich gleich auftut, legen sich Geißblattranken duftend in den Weg, verschlungen mit einer Kletterhortensie.
Noch einmal kehrt der Blick zurück. Warum liegen denn dort Steine im Weg? Ach ja, der Höhenweg zum Ende des Gartens, zum "Finis Terrae", soll ja noch ausgebaut werden. Von dort blickt man in die Tiefe zu einem kleinen Parkplatz. Oben herrscht Wildnis- "die hängenden Gärten der Semiramis", ungezähmte Pimpinellifolia-Rosen mit nur kurzer lieblicher Blüte, aber dafür hinreißendem Duft!
Kaum eingetreten in den umschlossenen Garten wird der Blick auf ein klitzekleines Wasserbecken gelenkt. Leuchtet dort nicht eine Seerosenblüte auf der glitzernden Wasserfläche? Tatsächlich, "Undinelein", die zarte Quellnymphe, hat eben ihre Blüten in der Sonne geöffnet!
Und schon sind wir im Südgarten! Eine Bank neben dem "Teich" lädt zur Rast ein. Helle Rosenblüten leuchten zart, dazu viel sanftes Blau. Die Frösche genießen ihr Paradies auch.Sie springen von den Steinen am Rand des Beckens mit einem lauten "Platsch!" ins Wasser!
Im Frühjahr wärmt die Sonne diese von einer blassen Wisteria umrahmten Terrasse schnell auf. Eine zarte Clematis montana verschönt die Seitenwand. 'Madame le Coultre' rankt im Hintergrund zusammen mit der Rose 'New Dawn' über dieTrennmauer.
Ganz früh im Jahr dürfen hier die Kübelpflanzen aus ihrem Winterquartier im Sommerhäuschen raus an die frische Luft. Und wenn alle versammelt sind, blühen die "Pfingstnelken" im blassrosa Kleid pünktlich zu Pfingsten!
Auch die Passionsblumen beginnen die Rückwand mit ihren Ranken zu bedecken. Jeden Tag öffnen sich neue Blüten... Passiflora x belotii Pépin, die duftende "Kaiserin Eugenie", dann "Victoria", eine Passiflora x violacea' und die treuen caerulea L. und ' Constance Eliott'. Unten stehen Kakteen-Familien und wetteifern mit dieser Blütenpracht ...
'Byron Beauty' mit seinem blauen Zottelköpfchen klettert schnell bis an die Decke!
Im August schaut dann unser Großväterchen neugierig mit seinen rotbackigen Äpfeln in den Südgarten! Er freut sich auf die Erntezeit, denn dann wird er von seiner wohlschmeckenden Last befreit...., und wir bekommen wieder herrliches Apfelmus!
Schaut der blaue Hibiskus auch zum Apfelbaum empor?
Bescheiden "krabbelt" eine Glockenblume am Fuß der niedrigen Mauer vor der Terrasse noch im November blühend zwischen den Steinen umher.
Im Frühling vermischen sich die Vergissmeinnicht auch in diesem Gartenbereich mit den Geranium.
Nun biegen wir um die Hausecke nach Westen. Auf der "Frau-Holle-Wiese " blüht viel durcheinander! Dunkler Flieder duftet mit den Blüten der Apfelbäume dort um die Wette. Darunter wehen die lieblichen Dichternarzissen im Frühlingswind...
Es ist Herbst ! Durch den Rosenbogen gehen wir im "Storchengang", rechts ist nämlich der "The Fairy-Hang" mit verschiedenen Geranium unterpflanzt, über die nun abgemähte Wiese, die ohne Blütenschnee keine "Frau-Holle-Wiese" mehr ist, zum "Fernseh-Garten".Aus der Ferne sieht er am schönsten aus!
Eine Anemone blüht noch im Hintergrund!
Nun haben wir das Haus umrundet. Über den "Gallica-Pfad", diesmal von Westen her, nähern wir uns wieder der Eingangstür.
Würden wir wieder zurückschauen zur Eiche, und es wäre Winter,dann gäbe es ein ganz anderes Bild!
Von der Gartentür ist die Kirche zu sehen, die die Häuser der Altstadt beschützt wie eine Henne ihre Küken.
Nun liegt der Garten unter einer wärmenden Schneedecke im Winterschlaf. Es ist ganz still... Aber halt-, sitzt dort nicht ein kleiner Eisbär auf der Laterne? Er spürt wohl, daß sich bald die "tapferen kleinen Männlein", die Winterlinge, und die Spitzen der Schneeglöckchen aus der dunklen Erde nach oben schieben ins Licht. Warten wir's ab! ..